Leitartikel

Beim Füllen der Schultüten Vorbild sein

Zahnärzteschaft Baden-Württemberg: Der „Ernst des Lebens“ sollte nicht mit Karies beginnen

 

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Damit die Schultüte nicht zur reinen Zuckertüte wird,

sollten Eltern auf ein möglichst ausgewogenes Verhältnis

von Süßem, Schönem und Nützlichem achten. Foto: pm

 

Rund 700000 Schulanfänger gibt es in diesem Sommer und Herbst in Deutschland, aber rund drei Millionen Schultüten finden Abnehmer. Das zeigt, dass der Trend eindeutig zur Zweit-Schultüte geht – und dass auch die Geschwister der Erstklässler mit einer solchen bunten Tüte „entschädigt“ werden. Auch wenn ein Teil der aufwändig geschmückten Schultüten als Deko-Objekt benützt und nicht gefüllt wird, ist zu vermuten, dass in vielen Haushalten mit schulpflichtigen Kindern solche Zuckertüten den Schulbeginn versüßen sollen. Umso wichtiger ist es, sich um den Inhalt der mit Prinzessinnen, Spiderman, Sponge Bob, Traumpferden oder Fußballmotiven geschmückten Spitztüten zu kümmern. Gerade Großeltern und Verwandte neigen dazu, des Guten zu viel zu tun.

 

70 Zentimeter voll Süßigkeiten?

 

Während Eltern meist pädagogische Überlegungen anstellen und auf eine kindgemäße und zahnfreundliche Befüllung achten, sind Omas und Opas eher bereit, ihre Enkel mit Süßigkeiten zu „verwöhnen“. Glaubt man den Experten für Papeteriewaren, dann ist eine klassische „Omatüte“ rund 50 Zentimeter lang und hat viel Platz für Schleckereien. Eltern im Westen kaufen eine 70 Zentimeter große Tüte, im Osten ist sie meistens sogar noch 15 Zentimeter länger. Dass darin nicht nur pädagogisch wertvolles Spielzeug, nützliche Utensilien für die Schule und hübsche Kleinigkeiten für Hobby und Freizeit enthalten sind, versteht sich von selbst.

 

Naschen mit Augenmaß

 

Angesichts der rund 90000 Erstklässler, die in diesem Jahr im Ländle eingeschult werden, ist es der baden-württembergischen Zahnärzteschaft wichtig, auf den Zusammenhang von Süßigkeiten und Zahnschäden hinzuweisen. Obwohl der Großteil der Kinder und Jugendlichen in Baden-Württemberg vorbildliche Zähne hat, ist Karies in einer Risikogruppe besonders verbreitet. Trotz vieler Vorbeugungs-Programme bei Kindergartenkindern und in der Schule haben noch immer etwa 8 Prozent der Jugendlichen 20 Prozent der Karies. Sie müssten eine besonders gründlich Mundhygiene betreiben und alle vorbeugenden Maßnahmen in Anspruch nehmen, die die Zahnärzte heute anbieten können.

 

Da es aber sehr schwierig ist, gerade diese Kinder und ihr Umfeld zu erreichen, setzt man bei der Vorbeugung gegen Karies auch auf die große Gruppe der Vernünftigen, die mit ihrer Vorbildhaltung die anderen mitnimmt.

Daher die herzliche Bitte der Zahnärzteschaft an alle Familien mit Erstklässlern: Sorgen Sie dafür, dass die Einschulung zu einem schönen Fest wird, das von viel Sympathie und Freude getragen wird. Dann wird deutlich, dass es nicht die Süßigkeiten sind, die den Schulbeginn zu einem unvergesslichen Erlebnis machen. Süßigkeiten lösen keine Probleme, sondern verursachen sie erst: an den Zähnen und auch an der Allgemeingesundheit.

Schulbeginn: Gutes muss nicht unbedingt teurer sein

Tipps für einen umweltfreundlichen Ranzen und gesunden Start ins neue Schuljahr

 

Spätestens zum Ferienende müssen die Schulranzen wieder ausgestattet sein, damit die Schulkinder gut ausgerüstet ins neue Schuljahr starten können. Beim Kauf der Materialien ist es sinnvoll, neben dem Preis auch die Umweltverträglichkeit im Blick zu behalten. Umweltfreundliche Schulsachen, die aus hochwertigen und langlebigen Materialien bestehen, sind zwar meist auf den ersten Blick etwas teurer, halten dafür aber umso länger. Die Mehrkosten relativieren sich. Die Stadt Heidelberg hat für den Kauf der Schulmaterialien folgende Tipps:

 

Langlebige Ranzen und Mäppchen

 

Umweltverträgliche Schulranzen und -mäppchen sollten haltbar und reparaturfreundlich sein. In erster Linie ist beim Kauf des Schulranzens natürlich auf das Netto-Gewicht zu achten. Das Gewicht eines gefüllten Ranzens sollte nicht mehr als ein Zehntel des Körpergewichts des Schulkindes betragen. Neben dem Gewicht sind breite, gepolsterte und leicht verstellbare Tragegurte wichtig sowie ein abgepolstertes Rückenteil. Der Ranzen sollte aus einem wasserdichten und strapazierfähigen Material bestehen, das sich leicht pflegen und reparieren lässt.

Der Ranzen sollte nicht über die Körperkontur des Kindes hinausragen. Ebenfalls wichtig sind orangerote Warnfarben und rückstrahlende Materialien auf dem Schulranzen. Sie erhöhen die Verkehrssicherheit auf dem Schulweg. Ranzen mit der Aufschrift DIN 58124 oder mit der GS-Plakette des TÜV garantieren diese Sicherheit.

Das Mäppchen sollte geräumig und übersichtlich gestaltet sein. Auch hier ist bei der Wahl der Materialien auf Stabilität, Langlebigkeit und Umweltverträglichkeit zu achten.

 

Recyclingpapier mit Gütesiegel

 

Das meistbenutzte Material in den Schulen ist immer noch Papier. Um Rohstoffe, Energie und Wasser zu sparen, sollten die Hefte und Blätter aus 100 Prozent Altpapier bestehen.

Das Recyclingpapier von heute ist nicht mehr grau, die Tinte verläuft nicht und das Radieren fällt nicht schwerer als auf anderem Papier. Auch Mal- und Zeichenblöcke, Heftumschläge und Schnellhefter sind aus Recyclingpapier erhältlich. Zur Orientierung helfen Gütesiegel wie der „Blaue Umweltengel“ bei der Auswahl.

Übrigens: Der Hinweis „chlorfrei gebleicht“ bedeutet nicht, dass bei der Papierherstellung Altpapier verwendet wurde. Auch mit Umweltschutzpapier sollte sparsam umgegangen werden. Papier lässt sich nicht unendlich häufig recyceln.

 

Schreiben, Malen, Zeichnen

 

Zum Schreiben, Malen oder Zeichnen sind Bleistifte oder Buntstifte besser geeignet als Filzstifte oder Faserschreiber. Sie sparen eine Menge Abfall. Außerdem enthalten Faserstifte oft Lösungsmittel und Tenside, die gesundheitsschädlich sein können. Da Kinder häufig auf ihren Stiften herumkauen, sollten sie aus unlackiertem Holz bestehen beziehungsweise mit einer Wasserlasur lackiert sein. Lackierte Stifte sollten zumindest nach der Euronorm EN 71 mit dem CE-Siegel gekennzeichnet sein, die die Begrenzung von löslichen, giftigen Schwermetallen in den Farben sicherstellt.

 

Auf „Tintenkiller“ verzichten

 

Geschriebenes oder Gezeichnetes lässt sich auch durchstreichen. Das ersetzt den Tintenkiller oder andere Löschstifte. Da man aufgrund des Produktionsgeheimnisses nur wenige Informationen über die verwendeten Hilfsstoffe und chemischen Verbindungen der einzelnen Stifte erhält, ist es schwer die gesundheitliche Bedenklichkeit einzuschätzen. Es ist daher zu empfehlen, generell auf den Kauf von Tintenkillern zu verzichten!

Ähnliches gilt für Markierstifte. Auch diese Einwegprodukte aus Kunststoff können chemische Lösungsmittel enthalten. Die sinnvollen Arbeitshilfen gibt es auch aus Holz in leuchtenden Farben.

 

Beim Füller auf Stabilität achten

 

Ein guter Tipp ist, beim Kauf eines geeigneten Füllers auf Stabilität und Langlebigkeit zu achten. An vielen Füllfederhaltern lassen sich die Federn auswechseln. Das erspart den Kauf eines kompletten Füllers, wenn nur die Feder kaputt ist, und vermeidet Abfall.

 

Lineale, Spitzer, Radiergummis

 

Lineale aus Holz statt aus Plastik sind stabiler. Auch ein Spitzer aus Holz oder Metall mit einem Messerchen zum Austauschen hält eine halbe Ewigkeit und ist ein kleiner Beitrag zum Abfallvermeiden. Radiergummis aus Naturkautschuk statt Kunststoffradierer nützen der Umwelt. Radierer aus PVC können Weichmacher enthalten, die Gesundheit und Umwelt belasten.

 

Kleber aus Naturprodukten

 

Leim und Kleister aus Naturprodukten und auf Wasserbasis kleben genauso gut wie ein Alleskleber oder die Spezialkleber mit oder ohne Lösungsmittel und schonen gleichzeitig die Umwelt. Kleber sollten auf jeden Fall keine Lösungsmittel enthalten, die beim Kleben ausdünsten.

 

Elektrische Geräte mit Akkus betreiben

 

Heutzutage wird viel Energie für Taschenrechner und andere kleine elektrische Geräte gebraucht. Sinnvoll ist es, dafür Akkus zu verwenden. Akkus lassen sich wiederaufladen, einfache Batterien dagegen nur wegwerfen. Altbatterien – wie auch Akkus – müssen am Ende ihres Lebens in den Sondermüll. Am besten ist es jedoch, auf Sonnenenergie umzusteigen und beispielsweise einen Solarrechner zu benutzen.

 

Nahrhaftes und Leckeres in die Brotbox

 

Obst, kleine Gemüseschnitze und ein Pausenbrot machen nicht nur satt, sondern sind auch gesund. Die Kinder bekommen einen gesunden Kräfteschub mit auf den Weg. Aufwändig in Papier, Alufolien oder Kunststofftütchen verpackte Pausenbrote hinterlassen jedoch einen täglichen Abfallberg, der durch eine Brotdose komplett vermieden werden kann. Auch für Getränke gibt es – statt der Einwegsysteme – mittlerweile dicht verschließbare Flaschen zum Wiederbefüllen aus Plastik oder Metall.